Wer nach dem IPMA Level D den nächsten Schritt macht, betritt eine andere Welt. Die Prüfungen für Level C, B und A sind kein reiner Wissenstest mehr – sie prüfen gelebte Managementkompetenz an echten Projekten. Das Verfahren ist deutlich aufwändiger, dauert länger und setzt substanzielle Praxiserfahrung voraus.
Dieser Artikel erklärt auf Basis der offiziellen PM-ZERT-Leitfäden (Stand: 2025/2026), wie die drei oberen IPMA-Level aufgebaut sind, was sie unterscheidet – und worauf es wirklich ankommt. Wer noch überlegt, welches Level das richtige ist, findet zusätzliche Orientierung in unserem Artikel „IPMA Level C oder B – welches Zertifikat passt zu mir?“
Das Fundament: Was C, B und A gemeinsam haben
Level C, B und A folgen alle demselben Grundprinzip: Nicht abstraktes Wissen wird geprüft, sondern der Nachweis, dass der Kandidat Projektmanagement-Kompetenz in der eigenen Praxis tatsächlich gelebt hat. Das spiegelt sich in einem mehrstufigen Bewerbungs- und Prüfungsverfahren, das für alle drei Level die gleichen Kernelemente enthält:
- Schriftliche Bewerbungsunterlagen mit Leistungsnachweis (F01), Lebenslauf und Executive Summary Report (ESR)
- Ein Report über ein selbst gewähltes Projekt, Programm oder Portfolio (max. 25 Textseiten + 15 Seiten Anhang)
- Schriftliche Prüfung
- Assessment Center (Fallstudien-Rollenspiel im Team, ca. 6 Stunden)
- Einzelinterview mit zwei Assessoren (abschließend, nach 15-minütiger Präsentation zum eigenen Report)
Bestanden ist, wer über alle Prüfungselemente hinweg 23 von 28 Kompetenzelementen (CE) erfüllt (Projektmanagement), bzw. 24 von 29 CE in den Domänen Programm- oder Portfoliomanagement (Level B und A). Ein CE gilt als erfüllt, wenn in mindestens 50 % der zugehörigen Key Competence Indicators (KCI) die geforderte Kompetenz nachgewiesen wurde.
Was sich zwischen den Levels unterscheidet: die Zulassungsvoraussetzungen, die geforderte Komplexität der Projekte, die Tiefe des Reports, die Dauer der Prüfungsschritte und einige strukturelle Besonderheiten. Diese Unterschiede sind erheblich – und entscheidend für eine realistische Vorbereitung.
Die Zulassungsvoraussetzungen: Erfahrung, die zählt
Alle drei Level setzen nachgewiesene Projekterfahrung in verantwortlicher Führungsfunktion voraus. Level C fordert mindestens 3 Jahre innerhalb der letzten 6 Jahre, Level B mindestens 5 Jahre innerhalb der letzten 8 Jahre, Level A mindestens 5 Jahre innerhalb der letzten 12 Jahre – davon mindestens 3 Jahre auf strategischer Ebene.
| Level C | Level B | Level A | |
| Betrachtungszeitraum | Letzte 6 Jahre | Letzte 8 Jahre | Letzte 12 Jahre |
| Mindestjahre PM-Erfahrung | 3 Jahre (begrenzt komplexe Projekte) | 5 Jahre (mind. 3 davon in komplexen Projekten) | 5 Jahre (mind. 3 davon auf strategischer Ebene) |
| Domänen | Projektmanagement | Projekt-, Programm-, Portfoliomanagement | Projekt-, Programm-, Portfoliomanagement |
| Komplexitätsschwelle | Begrenzt komplex (K ≥ 16) | Komplex (K ≥ 25) | Sehr komplex (K ≥ 32) |
| Verlängerung möglich | Um bis zu 4 Jahre | Um bis zu 4 Jahre | Nicht vorgesehen |
Wichtig: Die Projektauswahl für den Report liegt in der Verantwortung des Kandidaten. Das gewählte Projekt muss die für den angestrebten Level geltenden Komplexitätsanforderungen erfüllen. Die Assessoren prüfen dies im Rahmen der Zulassung. Bei einer Ablehnung kann einmalig nachgeliefert werden.
Der Prozess: Anmeldung, Unterlagen, Fristen
Der Bewerbungsprozess für Level C und B beginnt mit dem Hochladen der Unterlagen spätestens 9 Wochen vor dem ersten Prüfungstag. Level A fordert 12 Wochen Vorlauf. Einzureichen sind in allen Fällen: Leistungsnachweis F01 mit Selbstbewertung und Referenzen, Rechtliche Erklärung F01RE, Lebenslauf, Abkürzungsverzeichnis und der Executive Summary Report (ESR).
Der ESR umfasst maximal 15 Seiten und beschreibt die drei relevantesten Projekte des Kandidaten. Er liefert den Assessoren den Kontext für die Zulassung und die Grundlage für das spätere Interview. Inhaltlich geht es um Einbettung des Projekts im Unternehmen, eigene Rolle und Verantwortung, Management- und Führungsansatz sowie wesentliche Herausforderungen und Risiken.
| Frist | Level C | Level B | Level A |
| Anmeldeunterlagen | 9 Wochen vor Prüfung | 9 Wochen vor Prüfung | 12 Wochen vor Prüfung |
| Zulassungsentscheidung | Ca. 7 Wochen vor Prüfung | Ca. 7 Wochen vor Prüfung | Ca. 7 Wochen vor Prüfung |
| Report hochladen | 4 Wochen vor Prüfung | 4 Wochen vor Prüfung | 6 Wochen vor Prüfung |
| Prüfungsergebnis | 2 Wochen nach Prüfung | 2 Wochen nach Prüfung | 2 Wochen nach Prüfung |
| Zertifikatversand | 6 Wochen nach Prüfung | 6 Wochen nach Prüfung | 6 Wochen nach Prüfung |
Besonderheit Level B und A: Die Konformitätsprüfung
Level B und A kennen einen zusätzlichen Schritt, den Level C nicht hat: die Konformitätsprüfung. Dabei befragen die Assessoren den Kandidaten in einem direkten Gespräch zu seinen Bewerbungsunterlagen, prüfen die Plausibilität der Angaben und klären die Domänenzuordnung.
Bei Level A geht das noch einen Schritt weiter: Hier ist die Konformitätsprüfung um ein Prozessbriefing ergänzt – ein ca. 60-minütiges Gespräch, in dem die Assessoren den Kandidaten auch über Erwartungen und Anforderungen an die nächsten Prüfungsschritte informieren. Das Konformitätsgespräch ist obligatorisch und Teil der Zulassung.
Der Report: Gelebte Kompetenz, nicht Theorie
Der Report ist das Herzstück der Prüfung. Er basiert auf dem im ESR gewählten Hauptprojekt und beschreibt die persönlichen Management-Herausforderungen nach der STAR-Methode (Situation, Task, Action, Result) – inhaltlich als Fließtext, nicht als Schema. Alle Kapitel der offiziellen PM-ZERT-Reportvorlage müssen bearbeitet werden.
| Report-Anforderungen | Level C | Level B | Level A |
| Umfang | Max. 25 Textseiten + 15 S. Anhang | Max. 25 Textseiten + 15 S. Anhang | Max. 25 Textseiten + 15 S. Anhang |
| Pflichtelemente CE | 16 Pflichtelemente | 16 Pflichtelemente | 16 Pflichtelemente |
| Wahlelemente CE | Exakt 4 Wahlelemente | Exakt 6 Wahlelemente | Exakt 6 Wahlelemente |
| Report bestanden wenn | ≥10 von 20 CE positiv (50 %) | ≥11 von 22 CE positiv (50 %) | ≥11 von 22 CE positiv (50 %) |
Achtung: Der Report wird zurückgewiesen, wenn die Anzahl der Pflichtelemente unterschritten oder die Wahlelemente unter- oder überschritten wird. Das ist ein formales K.O.-Kriterium – unabhängig vom inhaltlichen Niveau.
Die schriftliche Prüfung
Anders als bei Level D gibt es bei Level C, B und A nur eine schriftliche Prüfung – dafür ist sie länger und anspruchsvoller.
- Level C: 120 Minuten
- Level B: 180 Minuten
- Level A: Keine schriftliche Prüfung – stattdessen Report, Assessment Center und Interview
Wichtiger Hinweis für Level C und B: In der schriftlichen Prüfung werden Fragen mit je einer klassischen und einer agilen Teilaufgabe gestellt. Zum Bestehen einer solchen Frage müssen beide Teilaufgaben korrekt beantwortet werden. Das ist eine häufig unterschätzte Hürde: Wer nur die klassische Seite sicher beherrscht, kann trotzdem scheitern.
Das Assessment Center: PM-Kompetenz live erleben
Das Assessment Center ist ein Rollenspiel-basiertes Fallstudien-Szenario in der Gruppe. Kandidaten erarbeiten gemeinsam eine Aufgabenstellung – die Assessoren beobachten dabei sowohl die fachlich-methodischen Ergebnisse als auch das soziale Verhalten in der Gruppe.
Es gibt zwei gleichwertige Varianten: einen ca. sechsstündigen Workshop an einem Tag oder einen Workshop aufgeteilt auf zwei Tage. Die Einteilung in Gruppen entscheiden die Assessoren situativ; die Rollenverteilung innerhalb der Gruppen wird teils von den Gruppen selbst, teils von den Assessoren vorgegeben. Level A Kandidaten nehmen dabei gemeinsam mit Level B und C Teilnehmern teil — in der Praxis ist typischerweise nur ein Level A Kandidat pro Prüfungsrunde vor Ort, der dann mit Projektleitern aus den verschiedenen Domänen (Projekt, Programm, Portfolio) zusammenarbeitet.
Bestanden ist das Assessment Center, wenn mindestens 40 % der beobachtbaren KCI als erfüllt bewertet wurden. Ohne bestandenes Assessment Center kein Zugang zum Interview.
Ausschlussregeln: Im Rollenspiel dürfen keine eigenen vorbereiteten Unterlagen (Notizen, Laptop) benutzt werden. Es dürfen keine Kopien oder Fotos von Rollenspiel-Dokumenten gefertigt werden. Ein Regelverstoß führt zum sofortigen Ausschluss vom Zertifizierungsverfahren.
Das Einzelinterview: Der Abschluss des Assessments
Das Interview ist stets der letzte Schritt. Es findet zwischen dem Kandidaten und zwei Assessoren statt. Eingeleitet wird es durch eine 15-minütige Präsentation zum eigenen Report – mit Big Picture, Lessons Learned und besonders hervorzuhebenden CE. Erlaubte Hilfsmittel: Flip-Chart, Metaplan oder PowerPoint.
Die Assessoren können jederzeit mit gezielten Fragen in die Präsentation eingreifen. Im Anschluss wird das Gespräch durch von den Assessoren vorbereitete Fragen weiterentwickelt – offen und individuell gestaltet.
| Interview-Dauer | Level C | Level B | Level A |
| Erstzertifikanten | 60 Minuten | 90 Minuten | 90 Minuten |
| Höherzertifikanten | Extended Interview: 90 Min. | Extended Interview: 120 Min. | Keine Höherzertifizierung vorgesehen |
Am Ende des Interviews erhält jeder Kandidat ein wertschätzendes Feedback zu seinen Leistungen im gesamten Zertifizierungsverfahren sowie Hinweise zur Weiterentwicklung.
Höherzertifizierung: Von D nach C, C nach B, B nach A
Für alle Level gilt: Eine Höherzertifizierung setzt ein gültiges Zertifikat des jeweiligen Vorlevels voraus. Die Verfahrensschritte sind identisch mit der Erstzertifizierung. Einzige Ausnahme: Höherzertifikanten können sich für exklusive Höherzertifizierungsrunden anmelden – dann entfällt der Assessment-Center-Workshop. Das ist eine deutliche Vereinfachung und führt auch dazu, dass die Prüfung auch online durchgeführt werden kann.
Bei Level B und A besteht zusätzlich die Möglichkeit, im Rahmen der Höherzertifizierung eine andere Domäne als bisher zu beantragen. Die Assessoren prüfen die Zuordnung und bestätigen einen Domänenwechsel schriftlich.
Hinweis Level A: Eine Höherzertifizierung auf Level A ist nicht vorgesehen. Level A wird immer als Erstzertifizierung durchgeführt – auch für Inhaber eines gültigen Level B Zertifikats.
Was passiert beim Nicht-Bestehen?
Für alle Levels gilt: Pro Prüfungsteil ist maximal eine Wiederholung innerhalb von 12 Monaten möglich. Die Gesamtdauer des Verfahrens ab Zulassungsentscheidung darf 18 Monate nicht überschreiten. Nach endgültigem Nicht-Bestehen kann die Zertifizierung nach 12 Monaten neu beantragt werden. Detailergebnisse werden in keinem Fall bekannt gegeben.
Fazit: Vorbereitung ist alles
Die IPMA-Zertifizierungen ab Level C sind anspruchsvoll – und das zu Recht. Wer hier antritt, macht keine Prüfung über PM-Wissen, sondern liefert den Nachweis, dass er Projekte in echten, oft schwierigen Situationen kompetent geführt hat.
Unsere Erfahrung: Die Kandidaten, die das Verfahren souverän durchlaufen, sind diejenigen, die früh mit der Erstellung der Antragsunterlagen und den Report-Vorbereitung beginnen, die ESR-Projekte sorgfältig auswählen und sich im Seminar intensiv mit den Kompetenzelementen der ICB 4.0 auseinandersetzen. Gute Vorbereitung ist kein Vorteil – sie ist die Voraussetzung.
Mehr über Erfahrungen aus echten Prüfungsverfahren lesen Sie in unserem Artikel: „IPMA Level C/B Prüfung: Was Teilnehmer wirklich erleben.“
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Quellen: PM-ZERT Leitfaden IPMA Level C Z01C V15 (15.12.2025) | PM-ZERT Leitfaden IPMA Level B Z01B V17 (15.12.2025) | PM-ZERT Leitfaden IPMA Level A Z01A V17 (15.12.2025) | PM-ZERT Allgemeiner Leitfaden Z01 V17 (10.03.2026). Maßgeblich sind stets die aktuell gültigen Versionen auf www.pm-zert.de.


