Am 19. Mai 2006 wurde die Projektforum Rhein Ruhr GmbH gegründet. In diesem Frühjahr ist unser Unternehmen zwanzig Jahre alt geworden. Ein solches Jubiläum ist für mich weniger ein Anlass zum Feiern als eine Gelegenheit zum Nachdenken.

Zwanzig Jahre sind ein Zeitraum, in dem sich ein Fachgebiet grundlegend verändern kann, und das Projektmanagement hat sich in dieser Zeit tatsächlich stark gewandelt. In diesem Beitrag möchte ich zurückblicken: auf die Beweggründe, die zur Gründung geführt haben, auf die Entwicklung des Projektmanagements in diesen zwei Jahrzehnten und auf das, was über allen Wandel hinweg Bestand hatte.

Der Weg begann in der Zeit der Softwarekrise

Mein eigener Weg in das Projektmanagement begann in den 1990er-Jahren, und er begann bereits im Projektmanagement, in der Softwareentwicklung. Damals prägte ein Begriff die Diskussion in der Informatik, der heute fast vergessen ist: die Softwarekrise. Gemeint war die Erfahrung, dass große Softwarevorhaben regelmäßig zu spät fertig wurden, ihr Budget überschritten oder die Erwartungen ihrer Auftraggeber verfehlten. In vielen Projekten herrschte, offen gesagt, ein erhebliches Maß an Chaos. Diese Erfahrung hat mich nicht entmutigt, sondern neugierig gemacht, denn ich war überzeugt, dass sich solche Vorhaben mit besseren Methoden beherrschen lassen.

Aus dieser Überzeugung entstand 1995 mein erstes Buch, „Der Software-Entwicklungsprozess“, erschienen im Hanser Verlag. Es beschäftigte sich mit der Frage, wie sich Entwicklungsprozesse ganzheitlich betrachten und strukturieren lassen. Etwa zur gleichen Zeit suchte ich den Austausch mit anderen, denen es ähnlich ging, und fand ihn in den Berufsverbänden, in der Gesellschaft für Informatik und in der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement. In der GPM habe ich über viele Jahre Verantwortung übernommen, zehn Jahre im Vorstand und davon acht Jahre als Vorstandsvorsitzender.

Besonders am Herzen lag mir dabei ein Format, das den Blick über die Grenzen der eigenen Disziplin hinaus richtete. Die Konferenz interPM habe ich selbst initiiert und begründet, und es gelang mir, die beiden Berufsverbände, die GPM und die Gesellschaft für Informatik, dafür zu gewinnen, sie gemeinsam zu tragen. Über mehrere Jahre brachte die interPM Fachleute zusammen, um die „Zukunft des Projektmanagements durch interdisziplinäre Ansätze“ zu erkunden. Die Konferenzbände der Jahre 2003, 2004, 2005 und 2008 habe ich mit herausgegeben. Diese Arbeit hat mich geprägt, denn sie beruhte auf einer Idee, die mich bis heute begleitet: Gutes Projektmanagement entsteht nicht in der Abgeschlossenheit einer einzelnen Methode, sondern im Austausch mit anderen Feldern.

Aus Überzeugung ein eigenes Haus gegründet

Die Gründung des Projektforum im Jahr 2006 war die konsequente Folge dieser Jahre. Ich wollte das, was ich in der Verbandsarbeit, in der Beratung und in der eigenen Projektpraxis erfahren hatte, in eine dauerhafte Form bringen und unmittelbar in die Organisationen tragen. Die Grundidee war dabei von Anfang an klar. Beratung und Qualifizierung sollten aus einer Hand kommen, denn beides gehört zusammen. Wissen entfaltet seinen Wert erst, wenn es in der Praxis wirksam wird, und Beratung bleibt folgenlos, wenn die Menschen nicht befähigt werden, sie umzusetzen.

Ebenso klar war die Haltung zur Qualität. Für unsere Kunden sollte nicht der Preis das entscheidende Kriterium sein, sondern die Qualität der Leistung und ihr Beitrag zum Erfolg des Kunden. Diese Überzeugung steht bis heute im Leitbild des Projektforum, und sie hat auch unsere Struktur geformt. Wir setzen bewusst auf ein Netzwerk sorgfältig ausgewählter Trainer und Berater. So können wir für jede Aufgabe die Fachleute einsetzen, die am besten zu ihr passen.

Projektmanagement ist von der Aufgabe der Projektleiter zur Aufgabe der ganzen Organisation geworden

Wenn ich auf die vergangenen zwanzig Jahre blicke, dann hat sich das Projektmanagement in seiner Breite am stärksten verändert. Zu Beginn richtete sich das Thema fast ausschließlich an Projektleiter und Projektmitarbeiter. Sie sollten Methoden beherrschen, um ihr einzelnes Vorhaben zum Erfolg zu führen. Heute ist Projektmanagement eine Aufgabe der ganzen Organisation geworden.

Unternehmen steuern ihre Vorhaben nicht mehr einzeln, sondern als Portfolio, und sie richten Projektmanagement-Offices ein, um diese Steuerung dauerhaft zu unterstützen. Auftraggeber, Portfoliomanager und die oberste Leitung sind heute ebenso Adressaten des Projektmanagements wie die Projektleiter selbst. Zugleich sind projektorientierte Karrierewege entstanden, die es erlauben, im Projektmanagement zu wachsen, ohne in die klassische Linienführung zu wechseln. Diese Verschiebung habe ich über viele Jahre in der Praxis begleitet. Ich habe zahlreiche Organisationen dabei beraten und unterstützt, Projekt- und Multiprojektmanagement-Strukturen, Projektmanagement-Offices und die dazugehörige Steuerung aufzubauen. Aus dieser Arbeit ist eine erprobte Vorgehensweise entstanden, die ich 2023 in dem Buch „Projekt- und Multiprojektmanagement richtig aufbauen“ veröffentlicht habe, erschienen im Verlag Springer Gabler.

Die Entwicklung hat auch die Professionalisierung des Feldes vorangetrieben. Normen und Standards wie die DIN 69901, die ISO-21500-Familie und die International Competence Baseline der IPMA haben dem Projektmanagement einen gemeinsamen Rahmen gegeben. Die Zertifizierung als Nachweis erworbener Kompetenz hat sich in dieser Zeit fest etabliert. Weltweit sind heute über 1,5 Millionen Zertifikate ausgestellt, in Deutschland liegt ihre Zahl nach Angaben der Zertifizierungsstelle PM-ZERT bei rund 120.000. Auch das Projektforum hat dazu beigetragen, denn über 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben mit unserer Unterstützung ihre Zertifizierung erfolgreich abgelegt, bei einer sehr hohen Bestehensquote.

Neue Arbeitsformen und die Digitalisierung haben das Feld erneut erweitert

Neben dieser Verbreiterung hat eine zweite Entwicklung das Projektmanagement verändert, nämlich die Art, wie in Projekten gearbeitet wird. Agile und hybride Vorgehensweisen haben die klassische Planung nicht abgelöst, aber ergänzt. Projektteams arbeiten heute in kürzeren Zyklen und näher an den Anforderungen ihrer Kunden, und sie greifen dabei auf digitale Werkzeuge zurück, die es vor zwanzig Jahren noch nicht gab. Der Markt für Projektmanagement-Software hat sich stark entwickelt, und ein großer Teil der Zusammenarbeit hat sich in den digitalen Raum verlagert. Bei uns im Projektforum zeigt sich das unter anderem daran, dass wir unsere Lehrgänge seit 2020 auch als Webinare anbieten.

Die jüngste dieser Entwicklungen ist die künstliche Intelligenz. Sie ist kein Selbstzweck und kein Ersatz für die Urteilskraft des Projektleiters, aber sie stellt neue Anforderungen an die Art, wie wir digitale Werkzeuge auswählen, einrichten und verantwortungsvoll nutzen. Wir fassen diese Anforderungen unter dem Begriff der digitalen Kompetenz zusammen, der die künstliche Intelligenz als einen Bestandteil einschließt. Diesem Thema widmet sich derzeit eine eigene Reihe in unserem Blog. In den Fachbüchern „Projektkompetenz I und II“, 2025 bei Springer Gabler erschienen, haben wir den heutigen Stand des methodischen und persönlichen Rüstzeugs für die Projektarbeit zusammengeführt.

Bei allem Wandel bleibt der Mensch die entscheidende Größe

So sehr sich Methoden, Standards und Werkzeuge verändert haben, eines ist über die zwanzig Jahre gleich geblieben. Der Erfolg eines Projekts entscheidet sich nicht an der Zahl der eingesetzten Werkzeuge, sondern an den Menschen, die sie einsetzen, an ihrem Urteil und an ihrer Kompetenz. Werkzeuge lassen sich lernen und austauschen. Die Fähigkeit, in einer unübersichtlichen Lage die richtige Entscheidung zu treffen, lässt sich nicht durch Software ersetzen.

Diese Überzeugung erklärt auch, warum das Projektforum in zwanzig Jahren seinen Kern nicht verändert hat. Wir setzen weiterhin auf die individuelle Passung statt auf das Angebot von der Stange, auf geprüfte Qualität, die wir durch die Zertifizierung unseres Qualitätsmanagements nach ISO 9001 und die Zulassung nach AZAV belegen, und auf den Erfolg unserer Kunden als Maßstab unserer Arbeit.

 

Leitgedanke

Werkzeuge und Methoden verändern sich, doch der Erfolg eines Projekts entscheidet sich an den Menschen, die sie mit Urteil und Kompetenz einsetzen.

 

Der Blick nach vorn

Was bedeutet dieser Rückblick für die kommenden Jahre? Die Richtung ist für uns klar. Wir werden Menschen und Organisationen weiter dabei begleiten, ihre Projekte erfolgreich zu führen, und wir werden die neuen digitalen Möglichkeiten dabei ernst nehmen, ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren. Die künstliche Intelligenz wird die Projektarbeit verändern, aber sie wird die Kompetenz der Menschen nicht überflüssig machen, sondern anspruchsvoller. Genau hier sehen wir unsere Aufgabe.

Zwanzig Jahre Projektforum sind nicht das Werk eines Einzelnen. Sie sind das Ergebnis der Arbeit unseres Teams, unseres Netzwerks aus Trainern und Beratern, unserer Kooperationspartner und nicht zuletzt der vielen Teilnehmerinnen, Teilnehmer und Kunden, die uns über die Jahre ihr Vertrauen geschenkt haben.

 

Ihnen allen gilt mein herzlicher Dank.

Wir freuen uns darauf, die nächsten Jahre des Projektmanagements gemeinsam mit Ihnen zu gestalten.

Andreas Frick