Offizielle Merkblätter beschreiben, wie die IPMA-Prüfung abläuft. Was sie nicht sagen: Wie sie sich anfühlt. Was wirklich überrascht. Wo selbst gut Vorbereitete ins Stolpern geraten. Und was im Nachhinein wirklich geholfen hätte.
Seit vielen Jahren sammle ich die Prüfungsberichte unserer Teilnehmer aus den IPMA Level C- und Level B-Seminaren des PROJEKTFORUM. Nicht alle melden sich zurück – viele sind nach der Prüfung schlicht erschöpft und glücklich, dass es vorbei ist. Aber die, die schreiben, geben uns etwas Wertvolles: echte Einblicke, die keine offizielle Quelle liefert.
In diesem Artikel teile ich die wichtigsten Muster aus diesen Rückmeldungen – anonymisiert. Zum Wohl aller, die die Prüfung noch vor sich haben.
Vorab: Was macht die Level C/B-Prüfung so besonders?
Die IPMA Level C/B-Prüfung ist mehrstufig, kompetenzbasiert und erstreckt sich über mehrere Tage. Sie besteht aus:
- Schriftlicher Prüfung: Fragen mit Fallstudien und hohem Zeitdruck – Level C hat 120 Minuten, Level B 180 Minuten.
- Assessment Center (Workshop): Gruppenarbeit unter Beobachtung der Assessoren – der emotionalste und anspruchsvollste Teil.
- Interview: Persönliches Fachgespräch mit Feedback zu Report, Klausur und Workshop.
- Report: Schriftliche Ausarbeitung über ein eigenes Projekt – Grundlage für alle anderen Prüfungsteile.
Jeder dieser Teile hat seine eigenen Tücken. Und genau darüber berichten unsere Teilnehmer.
Die schriftliche Prüfung: Tempo und Transferdenken entscheiden
Die häufigste Rückmeldung zur schriftlichen Prüfung: Die Zeit ist extrem knapp. Das klingt machbar, aber nur mit einer klaren Taktik.
Die Zeit ist extrem knapp. Es besteht keine Zeit, über die Frage weiter nachzudenken. Es ist zwingend erforderlich, sofort zu schreiben und zur nächsten Frage zu gehen. – Teilnehmer Level B, Windenergiebranche
Ich bin ganz gut damit gefahren, in der ersten Stunde schnell durch die Klausur durchzugehen und nur das zu beantworten, was ich auf Anhieb wusste. In der zweiten Stunde konnte ich dann die Lücken schließen. – Teilnehmerin Level C, Versicherungsbranche
Die Fragen auf Level C folgen oft dem Muster: „Nennen Sie drei Ausprägungen von X“ – wer die Inhalte auswendig abrufbar hat, kann diese Fragen zügig abarbeiten. Auf Level B sind es überwiegend Transferfragen mit Fallstudien: Keine Aufzählungen, kein Wiederholen – sondern Anwenden auf einen unbekannten Kontext.
Wichtig: Bei den meisten Kompetenzelementen müssen Sie sowohl eine klassische als auch eine agile Lösung beschreiben. Wer nur eine Perspektive kennt, erhält für die gesamte Frage keine Punkte.
Taktik: Was hilft wirklich in der Klausur?
- Erst alle Fragen überfliegen und sofort beantworten, was Sie sicher wissen – markieren, was offen bleibt.
- Auch eine teilweise richtige Antwort kann Punkte bringen – keine Frage leer lassen.
- Im Zweifel: Schreiben. Die Assessoren interpretieren im Zweifel wohlwollend, wenn die Richtung stimmt.
- Agile und klassische Methoden immer im Parallelmodus denken – tabellarische Gegenüberstellungen als Lernhilfe.
Das Thema Agilität: Gut vorbereitet – und trotzdem überrascht
Agilität ist fester Bestandteil unserer Level C- und Level B-Seminare – Scrum-Rollen, agiles Manifest, hybride Ansätze und der direkte Vergleich klassisch/agil. Das vermitteln wir systematisch, und zwar nicht als Randthema. Dennoch berichten Teilnehmer im Nachhinein immer wieder, dass der Anteil und die Präzision der agilen Fragen sie überrascht hat – auch solche, die sich gut vorbereitet hatten.
Agilität war relativ stark vertreten. Es macht Sinn, die Rollen und Elemente von Scrum zu können und das Agile Manifest verinnerlicht zu haben. – Teilnehmer Level C
Nicht einfach nur: Nennen Sie drei Prinzipien des agilen Manifests – sondern: Nennen Sie drei Prinzipien des agilen Manifests, die mit Teamwork zu tun haben. Da musste ich ziemlich schlucken. – Teilnehmerin Level C, Krankenversicherung
Auf Level B ist der agile Anteil noch höher – und besonders anspruchsvoll, weil beide Perspektiven gleichzeitig gefragt sind.
Sehr viele Fragen mussten sowohl agil als auch klassisch beantwortet werden. Auf diese Gleichzeitigkeit war kaum jemand vorbereitet. – Teilnehmer Level B
Unsere Empfehlung: Wer die agilen Inhalte im Seminar intensiv verarbeitet und zu Hause vertieft, ist gut aufgestellt. Wer sie überfliegt, wird in der Prüfung Punkte liegen lassen.
Der Report: Gelebte Kompetenz, nicht Theorie
Der Report ist nicht nur Zulassungsvoraussetzung – er ist die Grundlage für das Interview und fließt direkt in die Bewertung ein. Und er überrascht viele Teilnehmer mit seinem Detailgrad.
Überraschend war, dass mein Report fast zum kritischen Punkt wurde – dort hatte ich nur knapp die nötige Punktzahl. – Teilnehmerin Level B, Industrieunternehmen
Was Assessoren am Report von Level C- und Level B-Kandidaten besonders kritisch bewerten:
- Theorie wollen wir nicht sehen – entscheidend ist, dass das tatsächlich geleistete Projektmanagement an konkreten Beispielen dargestellt wird. Assessoren wollen sehen, was Sie persönlich getan haben, nicht was man laut Lehrbuch hätte tun sollen.
- Kompetenzelemente müssen ausreichend tief ausgearbeitet sein – zu kurze Ausführungen kosten Punkte, auch wenn die Grundrichtung stimmt. Ihr Management muss in Beispielen nachvollziehbar sein.
- Jedes bearbeitete Kompetenzelement sollte mit einem klaren Beispiel aus der Praxis des dargestellten Projektes dargestellt und belegt sein – das erleichtert den Assessoren die Zuordnung und Bewertung.
Unser Tipp: Nutzen Sie die PROJEKTFORUM-Arbeitsanleitung für den Report konsequent. Sie gibt vor, wie Sie Ihre eigene Projektmanagement-Leistung strukturiert und Assessoren-gerecht darstellen. Was dort gefordert wird, fordert auch die Prüfung.
Das Assessment Center: Der emotionalste Prüfungsteil
Kein anderer Prüfungsteil polarisiert so stark wie das Assessment Center. Manche Teilnehmer beschreiben es als intensiv aber fair, andere als äußerst belastend. Eines ist sicher: Es ist keine Simulation – es ist eine echte Drucksituation.
Ein wichtiger Hintergrund, der vielen Teilnehmern im Vorfeld nicht bewusst ist: Die Assessoren übernehmen im Assessment Center zwei Rollen gleichzeitig. Zum einen beobachten sie als Assessoren das Verhalten jedes einzelnen Teilnehmers und der Gruppe. Zum anderen schlüpfen sie in die Rolle des Kunden oder Auftraggebers des bearbeiteten Projektes – mit eigenen Forderungen, Einwänden und mitunter auch Unzufriedenheiten. Das ist kein Zufall: Ziel ist es, die Gruppe gezielt unter Druck zu setzen, um zu beobachten, wie Projektmanager unter realen Bedingungen agieren. Wer das weiß, lässt sich davon weniger aus der Ruhe bringen.
Extremer Zeitdruck, alles gleichzeitig, viele Leute mit Meinungen. Es ist schon eine besondere Situation. – Teilnehmer Level B, Energiewirtschaft
Die Assessoren haben eine ungewöhnlich harte und fast feindselige Haltung eingenommen. Falls ihr auf eine ähnliche Situation stoßt: Lasst euch davon nicht aus der Ruhe bringen. – Teilnehmerin Level B, Industrieunternehmen
Andere Gruppen berichten von einer professionellen, aber fairen Atmosphäre:
Das Verhalten der Assessoren war professionell. Sie haben immer wieder die unterschiedlichen Rollen deutlich gemacht. Die Klammer am Start und Ende war freundlich – kein feindseliger Charakter. – Teilnehmer Level B, Windenergiebranche
Die Erfahrung schwankt also – abhängig von Assessoren, Gruppe und Fallstudie. Was alle bestätigen: Wer die anderen Teilnehmer vorab kennt, hat einen echten Vorteil.
Wir haben uns jeden Abend zum Essen getroffen. Das hat definitiv geholfen – im Assessment Center hatten wir uns bereits eingeschätzt. – Teilnehmerin Level C, Baustoffbranche
Typische Fallstudien im Assessment Center
Die konkreten Fälle wechseln – Assessoren entwickeln regelmäßig neue Szenarien. Aus den Rückmeldungen unserer Teilnehmer kennen wir unter anderem:
- Planung eines Erlebnisparks mit mehreren Achterbahnprojekten (Programmperspektive)
- Restaurierung historischer Flugzeuge – mit Business-Case-Schwerpunkt
- Neubau eines Stadtviertels mit Wohn-, Schul- und Bürogebäuden
- Planung eines großen Kulturfests einer Gemeinde
Ein wichtiger Hinweis: Das konkrete Thema der Fallstudie ist letztlich zweitrangig. Im Assessment Center geht es nicht darum, fachliches Detailwissen über Flugzeuge oder Stadtplanung zu beweisen – sondern darum zu zeigen, dass man in der Lage ist, jedes Thema mit den Werkzeugen des Projektmanagements zu strukturieren. Wer sich fachlich zu sehr in das Thema vertieft, verliert möglicherweise den Blick für das Wesentliche.
Rechnen Sie damit, dass die Aufgabenstellung nicht immer eindeutig formuliert ist – das ist keine Schlamperei, sondern Teil der Prüfung. Wer Ambiguiät professionell managt, zeigt genau die Kompetenz, die auf höheren IPMA-Leveln gefordert wird.
Tipps für das Assessment Center
- Am Abend nach der schriftlichen Prüfung gemeinsam essen gehen und die anderen Teilnehmer kennenlernen.
- Klare Rollenverteilung frühzeitig abstimmen – wer moderiert, wer dokumentiert, wer präsentiert.
- Auf Standards einigen: einheitliche Nummerierung, Layout, Logo – das spart Zeit und wirkt professionell.
- Ruhig bleiben, wenn Assessoren Druck aufbauen – das gehört zur Prüfung und ist Absicht.
- Einen analogen Timer mitbringen – mehrere Teilnehmer berichten, dass gut vorbereitete Gruppen damit gearbeitet haben; Zeitmanagement ist wichtig.
Das Interview: Sehr unterschiedlich – und bei Level B oft intensiver als erwartet
Das Interview ist der letzte Prüfungsteil – und eine höchst individuelle Erfahrung. Wie es sich anfühlt, hängt stark davon ab, was in den vorangegangenen Prüfungsabschnitten bereits erreicht wurde.
Wer in der schriftlichen Prüfung, im Assessment Center und im Report bereits alle wesentlichen Punkte eingesammelt hat, erlebt das Interview häufig als angenehmen, wertschätzenden Abschluss – mit wenigen oder gar keinen Fragen. Manche Level C-Teilnehmer berichten, dass das Interview kaum mehr als eine freundliche Bestätigung des Bestehens war.
Das Interview war sehr angenehm und wohlwollend. Hier wurde wirklich versucht, die letzten Lücken zu schließen und über interessante Projekte zu reden. – Teilnehmer Level C, Windenergiebranche
Bei Level B kann das Interview deutlich anders verlaufen – und das hat einen sachlichen Grund: Level B verlangt bei vielen Kompetenzelementen die Kompetenzstufe 3, also nicht nur Wissen und Können, sondern Beurteilen können. Das bedeutet zum Beispiel, das Führungsverhalten von Teilprojektleitern einzuschätzen, zu steuern und methodisch zu entwickeln. Diese Tiefe lässt sich im Report und im Assessment Center oft nur schwierig zeigen. Das Interview ist dann der Ort, an dem die Evidenz nachgeholt werden muss – durch konkrete Berichte und Beispiele aus der eigenen Projektpraxis.
Das erzeugt auf beiden Seiten Druck: Die Assessoren müssen in begrenzter Zeit Kompetenzindikatoren systematisch bearbeiten und dokumentieren. Das Interview wirkt dadurch bisweilen weniger wie ein Gespräch als wie eine strukturierte Abfrage – mit raschen Folgefragen, knappen Unterbrechungen und dem Blick der Assessoren häufiger auf dem Bewertungstool als auf den Kandidaten gerichtet. Etwa die Hälfte der Level B-Teilnehmer beschreibt das Interview als anstrengend und emotional fordernd. Das ist kein Zeichen mangelhafter Vorbereitung und auch kein Zeichen mangelhafter Wertschätzung durch die Assessoren – sondern Ausdruck des hohen Anspruchs, den Kompetenzstufe 3 an Tiefe und Reflexionsvermögen stellt.
Wer hingegen tatsächlich auf Level B arbeitet – also in den letzten Jahren nachweislich komplexe Projekte verantwortet, Teams geführt und strategische Entscheidungen getroffen hat, wer Führungskräfte geführt hat – wird das Interview auch bei aller Intensität souverän meistern. Für diese Kandidaten ist das Interview keine Hürde, sondern eine Einladung, über das zu sprechen, was sie wirklich tun. Kompetenzstufe 3 lässt sich dann nicht nur behaupten, sondern mit konkreter Erfahrung belegen – genau das wollen und sollen die Assessoren prüfen und das macht den Unterschied.
Dies war der einzige Prüfungsteil, der so ablief, wie ich es erwartet hatte – mit fachlichen und fairen Fragen. – Teilnehmerin Level B, Baustoffbranche
Von der Zulassung bis zum Zertifikat: Was wirklich den Unterschied macht
Die IPMA-Zertifizierung auf Level C und B ist kein Verfahren, das man einfach antritt und dann sieht, was passiert. Bereits die Zulassung ist anspruchsvoll: Die Assessoren prüfen die Antragsunterlagen sorgfältig – und das bewusst. Niemand soll den erheblichen Aufwand einer mehrtägigen Prüfung auf sich nehmen, um am Ende zu erfahren, dass die Zulassungsvoraussetzungen nicht erfüllt waren. Wer also zur Prüfung zugelassen wird, hat die erste wichtige Hürde bereits genommen – und damit eine gute Ausgangsbasis.
Was dann über Bestehen oder Nicht-Bestehen entscheidet, ist die Fähigkeit, die eigene Kompetenz auch tatsächlich sichtbar zu machen: im Report durch konkrete Beispiele, im Assessment durch beobachtbares Verhalten, in der schriftlichen Prüfung durch fundiertes Fachwissen – und im Interview durch den überzeugenden Nachweis, dass das, was in den Unterlagen steht, wirklich gelebt wurde.
Das PROJEKTFORUM begleitet Teilnehmer bereits bei den Antragsunterlagen: Wir helfen dabei, die eigene Projektbiografie korrekt und überzeugend darzustellen, und beraten bei der entscheidenden Frage – schaffe ich Level C, oder bin ich bereits reif für Level B? Wer diese Einschätzung ernst nimmt und den Empfehlungen der Trainer folgt, geht mit realistischen Erwartungen und solider Vorbereitung in die Prüfung. Nicht-Bestehen passiert dann eigentlich nur noch dort, wo Prüfungsleistungen tatsächlich nicht erbracht werden – in der Klausur, im Assessment oder im Interview.
Fazit: Was Sie wirklich für die Prüfung brauchen
Die IPMA Level C/B-Prüfung ist kein Wissenstest – sie ist ein Kompetenznachweis. Sie prüft, ob Sie in anspruchsvollen Situationen professionell handeln, Entscheidungen begründen und andere führen können. Das lässt sich nicht in zwei Wochen lernen – aber mit der richtigen Vorbereitung systematisch entwickeln.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus unseren Teilnehmer-Rückmeldungen:
- Den Report als Kompetenznachweis verstehen – nicht als Theorieerörterung. Zeigen Sie, was Sie persönlich getan haben, an konkreten Beispielen aus Ihrem Projekt. Assessoren wollen Evidenz sehen, keine Lehrbuchauszüge.
- Die Zulassung ernst nehmen – wer zugelassen wird, hat bereits gezeigt, dass das Niveau erreichbar ist. Diese Chance sollte man durch konsequente Vorbereitung nutzen.
- Im Assessment Center Netzwerken – die Gruppe kennen ist kein Bonus, sondern Voraussetzung für Erfolg. Und: Wenn Assessoren Druck aufbauen, hat das einen Grund – ruhig bleiben und professionell reagieren.
- Taktisch schreiben – auch eine teilweise richtige Antwort kann Punkte bringen. Keine Frage leer lassen.
- Das Interview realistisch einschätzen – für Level C oft ein entspannter Abschluss, für Level B mitunter intensiv und fordernd. Wer seine Projektpraxis wirklich kennt und auf Level B gearbeitet hat, wird auch diesen Teil meistern.
- Agile Inhalte vertiefen – Scrum, agiles Manifest und hybride Ansätze sind keine Randthemen mehr.
Wir sind alle ziemlich erleichtert, dass es jetzt auf der Zielgeraden so glatt gelaufen ist. Danke nochmals für eure Begleitung und die gute Vorbereitung. – Teilnehmer Level C (anonymisiert)
Gut vorbereitet in die Prüfung – mit dem PROJEKTFORUM
Das PROJEKTFORUM begleitet Sie nicht nur durch die Seminare – sondern durch den gesamten Zertifizierungsprozess: Report-Feedback, Komplexitätseinschätzung Ihrer Projekte, Assessment-Vorbereitung und Klausurtraining. Sprechen Sie uns an.
Seminartermine & Beratung: www.projektforum.de
Kontakt:
info@projektforum.de
Tel. 0234 5882 8081


