Die Ansätze unterscheiden sich in mehrfacher Hinsicht.
Ein erster zentraler Unterschied liegt bei den behandelten Inhalten. Während PMI
und Prince2 lediglich die Methoden des Projektmanagements adressieren
geht der Ansatz der IPMA weiter. Hier werden ebenso alle relevanten "Soziale-Kompetenz-Themen" mit einbezogen, sowie auch die sogenannten
"Kontext-Kompetenzen", also die projektübergreifenden Themen z. B. das Mehrprojektmanagement oder auch die rechtlichen Aspekte des Projektmanagements. Zu den Inhalten werfen Sie einmal einen Blick in die IPMA Competence Baseline ICB oder in die deutsche Übersetzung die National Competence Baseline NCB.
Ein weiterer zentraler und grundsätzlicher Unterschied besteht in der "Kompetenzorientierung" des IPMA-Ansatzes einerseits und der "Regelorientierung" von PMI und Prince2 andererseits.
Der PMBOK® Guide des PMI ist eine prozessorientierte Ausarbeitung zum Ablauf des Projektmanagements. Projekte sollen demnach idealerweise nach den Regeln des PMBOK® Guide ablaufen. Es handelt sich um einen normativen und regelbasierten Ansatz, der seine Wurzeln in den USA hat. Prince2 zählt ebenso zu den regelbasierten Ansätzen; hier wird noch deutlicher in einer Art Vorgehensmodell zum Projektmanagement beschrieben, wie vorzugehen ist und welche Vorlagen verwendet werden sollen.
Der IPMA-Ansatz ist hingegen ein kompetenzorieniterter Ansatz. Hier steht weniger das Befolgen von normativen Regeln im Vordergrund als vielmehr die Fähigkeit, Regeln für ein Unternehmen oder ein Projekt entwickeln oder adaptieren zu können und diese dann anwenden zu können. Der Projektmanager soll in den 46 Themenfeldern der ICB Kompetenzen aufweisen und in der Lage sein, die jeweilige Anwendungsform und Ausprägung des Projektmanagements auf das Projekt, die Situation, die Aufgabenstellungen und die Organisation hin auszurichten.
Dahinter steckt die Überzeugung, dass es nicht einen einzigen Lösungsweg für alle noch so unterschiedlichen Projekte und Organisationen geben kann. In der Praxis müssen der Projektmanager und die Unternehmensleitung ihr Handeln auf die jeweilige Situation ausrichten; eine Grundhaltung, die von neuen Forschungsergebnissen untermauert wird und die dem erfahrenen Praktiker präsent ist. Eine fest definierte Vorgehensweise für Projekte oder ein definiertes Prozessmodell finden Sie daher beim IPMA-Ansatz nicht. In verschiedenen Branchen und je nach Projektart muss unterschiedlich vorgegangen werden.
Der kompetenzorientierte Ansatz der IPMA hat seine Wurzeln in Europa und der dortigen Kultur. Er ist deshalb eher für die Europäer geeignet als der regelbasierte Ansatz des PMI. Hingegen ist in den USA der regelbasierte Ansatz von großer Bedeutung. Europäische Unternehmen, die stark mit amerikanischen Unternehmen zusammenarbeiten, werden sich mit der Vorgehensweise nach PMI befassen müssen. Dies alles hängt mit der jeweiligen Arbeitskultur, der Geschichte aber auch mit den unterschiedlichen Bildungssystemen zusammen.
Der kompetente Projektmanager nach IPMA kann neben anderen Ansätzen auch den PMBOK® Guide für sein Unternehmen adaptieren. Dies durch Kompetenzentwicklung zu ermöglichen und zu gewährleisten - das ist die Zielsetzung des IPMA-Ansatzes.
Die Ansätze unterscheiden sich noch in weiterer Hinsicht. Hier möchte ich auf den Beitrag von Prof. Dr. Michael Gessler verweisen, den er für die Einleitung des PM3 verfasst hat.
Melden Sie sich gern bei uns, wenn Sie weitere Fragen haben - "Einleitung: Kompetenzbasiertes Projektmanagement - PM3 ".